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LILT Bozen bedankt sich herzlichst bei Dr. Claudio Graiff für diesen Artikel über die neuesten Entwicklungen zur Behandlung von Tumoren. 

 

Fortschritte in der Behandlung von Tumoren

Die Entwicklung neuer Mittel, Techniken und Prozeduren zur Behandlung von Tumoren ist in den letzten zwei Jahrzehnten als rasant zu bezeichnen.

Als Grundlage dieser schnellen Entwicklung sind wesentlich 3 Elemente zu beschreiben: der technologische Fortschritt, die neuen Kenntnisse im Bereich der Molekularbiologie (Wörter wie Genetik, Epigenetik, Genomik, Proteomik sind heute im allgemeinen Sprachgebrauch aufzufinden) und die translationale Forschung.

Neue Technologien haben stark zur Entwicklung einer radikalen und gleichzeitig weniger invasiven onkologischen Chirurgie, einer zunehmenden Verfeinerung von Techniken und Methodiken in der Strahlentherapie, aber auch zur Entwicklung neuer pharmakologischer Mittel beigetragen. Dies auch beispielsweise dank der ingenieurtechnischen Veränderung von Molekülen und biologischen Strukturen sowie auch durch Nanotechnologien ,die durch das Verarbeiten von Partikeln mit Dimensionen von kleiner als 100 Nanometer, Eigenschaften des Ausgangsmaterials stark modifizieren und gleichzeitig ihnen ein absolut eigenes und abweichendes Verhalten verleihen können. Es gibt bereits relativ zahlreiche Anwendungen von Nanotechnologien bei der pharmakologischen und medizinischen Behandlung einiger Tumore und viele Forschungslinien zu diesem Thema.

Eine neue Linie der Entwicklung wird als "Theranostik" bezeichnet , ein Neologismus, der die Vereinigung zwischen therapeutischen und diagnostischen Verfahren bedeutet. Eine der vielen Anwendungen dieses innovativen Ansatzes ist beispielsweise die Herstellung von Pharmaka ad Hoc in unendlich kleiner Größe, die in die Tumorzelle eindringen und ein mutiertes Gen,dessen anormale Aktivierung das Tumorwachstum bestimmt, zum Schweigen bringen können.

Molekularbiologie und medizinische Wissenschaften haben eine jetzt unverzichtbare gemeinsame Plattform in der translationalen Forschung gefunden, nämlich die enge Interaktion zwischen Grundlagenforschung und klinischer Forschung.

Das Ziel der translationalen Forschung ist der schnellstmögliche Wissenstransfer der Grundlagenforschung, insbesondere der molekularen Krebszellenforschung zur Anwendung in der therapeutischen Forschung. All dies ist die Grundlage für die Entwicklung des therapeutischen Konzepts, selbst in der medizinischen Onkologie, die sich von der Suche nach "therapeutischen Standards", die für alle gleich sind, auf die neuen Konzepte der personalisierten Therapie und der Präzisionsmedizin verlagert hat.

Einige bereits aktuellen Anwendungen der "Precision Medicine" basieren auf der Kombination von neuen Technologien und molekularer Grundlagenforschung mit klinischer Forschung: Moderne Technologien erlauben es, die Genome jedes Einzelnen und der einzelnen Tumore zu untersuchen, bis sie eine exakte Charakterisierung des einzelnen Tumors (die sogenannte molekulare Signatur) werden, auf deren Grundlage es möglich ist, spezifische und individualisierte Medikamente zu entwickeln.
Auf dieser Grundlage funktionieren molekulare Zielmedikamente, die sogenannte Target-Therapie oder die intelligenten Medikamente der Biotechnologie, eine der vielversprechendsten Errungenschaften der letzten Jahre, die erst kürzlich den Fokus der Krebszelle auf das Immunsystem verlagerten. Sie haben durch eine neue Generation von Medikamenten erlaubt, eine neue wichtige Perspektiven auf dem Gebiet der immunologischen Behandlung von Tumoren zu eröffnen und der Immunonkologie einen starken Impuls zu geben.

Diese und andere sind die Fortschritte, die es ermöglicht haben, neues wichtiges Wissen über die Tumorbiologie zu entwickeln und folglich neue, immer präzisere und personalisierte Medikamente zu produzieren. Allerdings können wir nicht verschweigen, dass eine technologische Innovation nicht immer mit einer wirklichen Verlängerung der Gesamtüberlebenszeit der Erkrankten übereinstimmt.

In einigen Bereichen, wie der Immunonkologie, sind die Ergebnisse außerordentlich und sehr wichtig, in anderen Anwendungsbereichen der molekularen Therapien weniger; dies bedeutet, dass es noch viel zu lernen und zu verstehen gibt, um diese neuen Werkzeuge optimal zu nutzen. Deshalb sollte man die No Profit Forschung, jene Forschung, die nicht zu Lasten der Pharmaindustrie fällt, zur Zulassung neuer Moleküle und auf der anderen Seite die Interdisziplinarität , einen immer intensiveren Dialog zwischen unterschiedlichen Forschern und Spezialisten , die sich mit der Behandlung von Tumoren befassen, fördern. Denn schließlich werden nicht Krankheiten, sondern die Kranken behandelt.

 

Übersetzung von Susanne Baier und Marzia Macaluso

 

 

 

 

Dr. Claudio Graiff

 

 

(Ehemaliger Primar der Abteilung für Onkologie im Krankenhaus Bozen)